Well Being - mein Appell an die Menschlichkeit

Dieser Artikel ist für mich etwas anderes, als die anderen. Es ist ein Thema, das mich sehr berührt, weil es zum einen eine Sehnsucht anrührt, zum anderen meine Lebensaufgabe.

Es ist mein großer Traum, wahrhaft Menschen zu dienen, zu helfen. Sie zu sehen, für sie da zu sein und ihr Leben irgendwie besser zu machen. Das mag sich das altmodisch oder merkwürdig nonnenhaft anhören, aber es kommt aus tiefstem Herzen.

 

Es macht mich wirklich und ehrlich traurig zu sehen, wie dieMenschen miteinander umgehen. Es rührt mich ehrlich sogar zu Tränen...

Ich bin ehrlich gesagt niemand, den die Nachrichten großartig interessieren. Oder der Hunger in der Welt. Der ist klar schrecklich - aber nichts, wo ich persönlich das Gefühl habe, wirklich etwas ändern zu können.

Was mich interessiert ist das, was ich jeden Tag sehe. Und fühle. Oder auf andere Art wahrnehme.

Und das, was ich so oft sehe, will mein Herz einfach nicht verstehen. Wie können Menschen Tag für Tag, so verschlossen, so ignorant mit sich und ihren Nächsten umgehen? Wie kann diese Ablehnung und Taubheit aufrecht erhalten werden?

 

Da ich in einem Krankenhaus arbeite und kürzlich erst selber einen Aufenthalt als Kassenpatient erleben durfte, wird und wurde mir das immer wieder wie ein Schlag ins Gesicht präsentiert:

Verständnis, Menschlichkeit und Mitgefühl sind ein seltenes Gut.

 

Dabei glaube ich, ist es eigentlich Teil unserer Natur. Jeden Tag gehen wir darüber hinweg, weil wir Leistung bringen müssen - und irgendwo ja auch wollen. Denn so sind wir regelrecht domestiziert worden. Aber dafür bleibt uns, v. a. als Deutschen, wenigstens das Beklagen!

So traurig es ist, das ist es, wodurch wir:

  1. Anerkennung bekommen.
  2. uns als "Wer" fühlen und definieren.
  3. uns als Teil des Ganzen fühlen und die Gefahr bannen, ausgeschlossen zu werden. Es entsteht ein regelrechtes Bonding; durch gemeinsames Beklagen! So kommt man gut ins Gespräch... und fühlt sich in Missmut verbunden.

(Denn jedem unserer Verhaltensmuster - und scheint es auch noch so bescheuert, grausam oder was auch immer - liegt ein persönlicher, vermeintlicher und meist versteckter Benefit zugrunde.)

Es ist aber auch das, was uns lähmt und passiv werden lässt. Was Dir das Gefühl gibt "Was kann ich schon tun?" Aber immerhin weiß man, wer Schuld an der Misere hat: die anderen.

 

Wie gesagt: eigentlich ist etwas anderes unsere Natur - und wir übergehen diese Tag für Tag. Immer angefangen mit uns selbst!

Jedes Mal wenn wir uns ärgerlich fühlen, traurig, schlecht, ist es, weil wir eine innere Grenze übergangen haben. Einen inneren Impuls, der uns etwas zeigen wollte, einen anderen Weg, ein andres Verhalten und der irgendwann nicht mehr anders wahrzunehmen ist, als in Schmerz, Depressionen, cholerischen Anfällen, Ohnmacht, Bluthochdruck... Weil wir ihn "überarbeiten", zumauern und betäuben. Tag für Tag, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Den Impuls uns anders zu verhalten, als wir es gelernt haben und meinen, wie es sein müsste. Somit kann man es von sich wegschieben und muss sich auch nicht mehr darum kümmern. Kann die Verantwortung abgegeben. Resignieren. Das ewig bockige Kind bleiben.

 

 

Stell Dir vor, Du wärst krank im Krankenhaus. Du fühlst Dich schwach, bedürftig und wenn Du ehrlich bist, möchtest Du, dass da jemand ist, der ein bisschen ist wie eine Mama oder Oma, der Dich einfach tröstet.

Und stell Dir vor, da ist nun jemand, der einen netten, interessierten Blick hat, obwohl er oder sie Dich gar nicht kennt. Einfach nur, weil Du jemand bist, der Hilfe braucht und die andere Person das sieht. Weil sie ein Mensch ist, der sich nicht total zugemauert hat und sich von Dir berühren lässt. Stell Dir vor dieser jemand setzt sich einfach kurz zu Dir und ist wirklich da. Drückt Deine Hand. Streicht kurz über Deine Schulter.

Was glaubst Du, wieviel schneller Du gesund werden würdest, wenndie Menschen dort warmherzig und präsent wären?

Wenn der Arzt, der Dich behandelt 10 Minuten Zeit und Kapazität dafür hätte, Dir WIRKLICH zuzuhören? Ein Arzt, der ausgeschlafen ist und auf sich selber und seine Bedürfnisse achten darf. Wenn sich die Schwester, die sich nach Deinem Befinden erkundigt, das in einem verständnisvollen Ton macht? Bereit zu hören, dass NICHT alles in Ordnung ist und sie sich auch zu Dir setzen darf, wenn es nicht durch eine Tablette wieder "heile" zu machen ist. Die Dich nicht immer wieder achtlos aus dem ersehnten Schlaf reißt, weil sie jedes Zimmer, jeden Patienten im Stundentakt "abhaken" muss. Stell Dir vor diese Schwester geht mit einem Verdienst nach Hause, der es würdigt, dass sie sich um das höchste Gut zu kümmert...

 

 

Wenn man sich mit dem Begriff "Well Being" beschäftigt, stößt man auf Untersuchungen die aufzeigen und vergleichen können sollen, wie die Menschen glücklicher und gesünder sein oder werden können - und damit effektiver für die Gesellschaft bzw. das Unternehmen.

Es ist für mich ehrlich abstoßend und verletzend gewesen, das zu lesen.

Es ist mir unbegreiflich, wie wir offensichtlich jeden Tag wieder und wieder neu wählen, so eine Gesellschaft zu sein. Wie kann so viel Kurzsichtigkeit und Gier die relevanten Entscheidungen im Bezug auf Menschen prägen - wo sie doch von MENSCHEN getroffen werden, die selber jeden Augenblick auf die Hilfe, das Wohlwollen und Mitgefühl anderer Menschen angewiesen sein könnten?!

 

So bitte ich jede und jeden, der das hier liest: haltet Euer Herz und Eure Wahrnehmung offen für den Menschen und die Situation, die und der direkt vor Euch ist und natürlich für Euch selbst. Denn Eure Begegnung ist nie vorhersehbar und Du weißt nicht, WER am Ende WEM etwas zu geben hat. Auch Du brauchst Zuwendung!

Und vielleicht hast Du Glück - und begegnest einem Menschen mit einem offenen, neugierigen und liebevollen Blick, der Dich überrascht.

 

Und vielleicht siehst Du so jemanden dann auch immer häufiger im Spiegel ♥