"Nicht Du bist in der Welt, die Welt ist in Dir"

Jeden Tag kann ich die Wahrheit über diesen Ausspruch, den ich schon von so vielen Weisen Menschen mittlerweile gehört habe, verstehen und teilen. Er kommt mir immer öfter ins Bewusstsein, wenn ich mich umschaue und die Menschen um mich herum wirklich sehe.

 

Jeder ist in seinen Denkmustern, Reaktionen und Handlungen eigen. Gefärbt duch die Dinge die ihm widerfahren sind, die Umwelt, die sie umgeben hat und umgibt und auch durch den Menschen, der gerade vor ihr steht, der sie wiederum durch seinen eigenen Blick, seine Konditionierungen, seine ihm eigene Brille ansieht.

                                                                                                                            

Jeden Augenblick prallen WeltBilder aufeinander.

 

Auch wenn uns dieser Gedanke der obigen Überschrift zunächst fremd erscheinen mag weil wir immer meinen, es gäbe

DIE EINE WAHRHEIT über die Sicht der Dinge, gibt es DIE Welt nicht!

Was ich damit meine ist nicht, dass die Erde als solche nicht existiert (das ist wiederum ein anderes Thema...;)  ), aber es gibt keine objektiv gesehene Welt.

 

Schon aus biologischer Sicht wird einem das klar, wenn man sich verdeutlicht, wie unsere Wahrnehmung funktioniert:

Ein Reiz (die Information) trifft ein Sinnesorgan/seine Rezeptorzellen in Form von Wellen, Molekülen etc. und löst dort eine Änderung des Ist-Zustandes aus. Das wiederum, wird ans Gehirn weitergeleitet und dort verabreitet. Unglaubliche

11 Mio Sinneseindrücke pro Sekunde nehmen wir auf - aber nur ca. 50 werden in unserem Gehirn verarbeitet!  Schon beim Verarbeiten dieser Reize, "hinein in uns", muss der Organismus filtern. Denn diese extreme Menge an Eindrücken würde uns sonst völlig überfluten und in unserem System zum "Overload" führen.

Schon bei diesen Fakten drängt sich doch eine Frage auf:

Welche Information wird herein gelassen, wird verarbeitet, und welche wird rausgeworfen?

Betrachtet man sich die o. g. Zahlen, ist es doch sehr unwahrscheinlich, dass die Großhirnrinde zweier Menschen, genau die selben Reize aufnehmen bzw. rausschmeißen würde, oder?

All unsere Erfahrungen, unsere Bewegungen, gestalten die Verschaltungen in unserem Gehirn, die synaptischen Verbindungen.

Hinzu kommen Hormone, Transmitter, auch Medikamente und die Lebensweise, die aktiv in die biochemischen Vorgänge unseres Organismus eingreifen und so unser Erleben er Welt bestimmen.

Soviel erstmal zum biologisch-physischen Anteil ;)

 

Betrachten wir uns nun die emotional-psychische Seite von Wahrnehmung:

Ich stelle eine für sicherlich viele gewagte Behauptung in den (virtuellen *g*) Raum:

All unsere emotionalen Reaktionen auf gerade ablaufende Ereignisse, haben etwas mit der Vergangenheit zu tun, nichts mit der Gegenwart.

Wir machen eine Erfahrung, Dinge geschehen und wir ziehen unsere Schlüsse für uns als Person, als Organismus daraus. Etwas ist mir widerfahren, es hat negative Gefühle in mir ausgelöst, ich fühlte mich angegriffen, bedroht. Eine ähnliche Situation muss zukünftig verhindert werden, denn sie bedroht, überspitzt gesagt, mein Überleben. Dabei ist es in unserer heutigen Welt, wohl versorgt lebend in einem Industrieland, erstmal nicht wichtig, ob es hier um wirklich physisches Überleben geht. Greift uns jemand verbal an, beurteilt uns, ist zunächst nur unsere Persönlichkeit betroffen. Doch die gleichen Mechanismen greifen, wie wenn es um das physische Überleben ginge.

Andersherum, wenn uns etwas gut fühlen lässt, uns beflügelt und Kraft gibt, uns das Gefühl gibt, von anderen angenommen, anerkannt zu sein und dazu zu gehören, ist das, was geschehen ist etwas, das ich mir bestrebt bin zu bewahren und zu wiederholen.

Das alles ist logisch und nennt man "Lernen" und beginnt mit unserer Geburt und den ersten Menschen und Dingen, die uns begegnen.

Aufgrund der in der Vergangeheit gemachten Erfahrungen, beurteile ich nun die aktuellen Ereignisse.

ALLES was geschieht. Denn die Vergangenheit ist der Bezugspunkt. So wie ich eine Geschwindigkeit nur beurteilen kann, wenn ich einen Punkt habe, auf den ich mich beziehe, kann auch jede andere Beurteilung nur im Bezug auf etwas statt finden.

Kennt Ihr diese Momente, wenn etwas passiert, oder man etwas sieht, das für einen selbst noch nie da gewesen ist?

Wenn man sehr aufmerksam ist, kann man folgendes im eigenen Kopf beobachten: nämlich Nichts! Für den Bruchteil einer Sekunde ist da eine Pause, eine Lücke, die das Gehirn schnell versucht zu füllen. Es wird nach Bildern und Ereignissen gesucht, Erfahrungen und Berichten von Freunden oder aus den Medien, um das, was man gerade sieht einordnen zu können. Und schließlich zu beurteilen. Ist es gut oder schlecht, schadet es mir oder würde ich das wiederholen wollen?

 

Betrachten wir uns nun die Wahrnehmung als solche unter den Gesichtspunkten der biologischen und psychischen Vorgänge, bleibt mir nichts anderes übrig als zu dem Schluss zu kommen, dass jeder einzelne Moment, jede Situation von jedem einzelnen Lebewesen verschieden wahrgenommen werden muss.

Und somit eben auch das Bild der Welt. Viele kennen sicher das Gleichnis der blinden Männer und des Elefanten.

Jeder einzelne der Männer "hat Recht" mit seiner Beschreibung des Elefanten, jeder nimmt unterschiedliche Aspekte und Qualitäten wahr. Aber keiner sieht die EINE, absolute Wahrheit. Denn die gibt es, gesehen auf unsere menschlich-physisch erfahrene Welt, nicht. DIE Welt als solche, wie sie IST, ensteht IN uns.

 

Das können wir uns den Tag über immer mal wieder klar machen. Dann können wir vielleicht auch klarer sehen, was in uns selbst vor geht, wie Dinge in uns hoch kommen, reagieren, die wir uns so nicht bewusst ausgesucht haben. Es sind in der Vergangenheit konditionierte Reaktionen - die wir zwar beobachten, denen wir aber nicht zwingend nachgehen müssen.

Denn der Mensch, der uns gerade gegenüber steht, erfährt gerade sehr höchstwahrscheinlich etwas völlig anderes, umgeben von einer anderen Welt.

 

Was wäre, wenn ich diesen Moment, bzw. einen ähnlichen, noch nie erfahren hätte? Was wäre, wenn ich nicht wüsste, wie ich darauf reagieren soll oder wie ich es normalerweise tue? Wie ich es gelernt habe zu tun oder was mir am meisten Anerkennung bei anderen bringt?

 

Was wäre wenn Du Dich dem Moment (den Du SO wie gerade jetzt, definitv noch nie erlebt hast...)  frisch und neu öffnen würdest - mit einem offenen Verstand, Augen und Ohren und einem offenen Herzen ?