Höre ich auf mich, meine Intuition, oder bin ich egoistisch?

"Hör auf Deinen Bauch!", "Folge Deiner Intuition!", "Hör auf Deine innere Stimme!" 

Welchen Wortlaut es auch immer haben mag - nie war die Aufforderung, gut für sich zu sorgen, sowohl in körperlicher als auch geistig-emotional-psychischer Hinsicht, so häufig, ja fast schon fordernd, wie heute. Wohl leider und nicht zuletzt oft nur, um in der Gesellschaft noch besser, noch produktiver funktionieren zu können...

 

Aber was bedeutet es ganz praktisch gesehen, wenn wir das tun? Wie mache ich es - und was für Konsequenzen hat das?

 

 

Bauchgefühl, Intuition & innere Stimme

 

Zunächst einmal ist es eine Sache des Trainings. Wer nie auf seinen Bauch gehört hat, sondern bis jetzt immer nur der rational, von der Gesellschaft und dem Umfeld geprägten und anerzogenen Seite gefolgt ist, kann natürlich nicht von Heute auf Morgen seine Handlungsweise vollkommen auf den Kopf stellen und das "einfach mal machen". So wie wir trotz Begabung nicht einfach ein Instrument in die Hand nehmen und perfekt darauf spielen können, braucht es auch hier Zeit, sich umzustellen. Und auch der Körper und das System brauchen diese Zeit.

 

Nichtsdestotrotz war und ist die innere Stimme immer da ♥ Wir müssen nur wieder lernen, ihr zu zu hören. Und das Schwierige daran ist nicht das Hören selbst, sondern das Hören-Wollen und vor allem, dann auch danach zu Handeln! Denn wenn Du das tust, wird sie lauter und klarer :)

 

Wenn wir uns rückblickend Situationen aus den vergangenen Tagen betrachten, die richtig unangenehm gelaufen sind, wonach wir uns bedrückt, und runtergezogen fühlten, die uns vielleicht grübelnd zurück ließen... Was machte den Unterschied zu den Begebenheiten, in denen wir das Gefühl hatten, alles fließt mühelos, fällt einfach an seinen Platz und wir fühlen uns wohl und voller Power damit?

 

Das Wichtigste für diese Betrachtung ist (wie in allem) die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für die Situation und was in Dir selbst geschieht.

Nimm eine Sache als Beispiel, in der Du vor einer Entscheidung standest etwas zu tun oder sein zu lassen, DIE MIT EINER ANDEREN PERSON ZUSAMMENHING. Dein Gefühl zu der Sache wird wahrscheinlich nicht das Problem gewesen sein - darin warst Du sehr klar! Nur bist Du dem auch nachgegangen?!

Denn unsere Entscheidungen hängen meist nicht davon ab, wie wir uns damit fühlen. Unmittelbar nach dem Gefühl schalten sich unsere Ängste und Muster ein, denn wir haben alle gelernt, was man zu tun und zu lassen hat, um in das vermeintliche Bild der anderen herein zu passen und nicht unangenehm aufzufallen. Sich selbst zurück zu nehmen - schließlich ist man sonst egoistisch (... und da der Sprachgebrauch ja heute ohne Superlative nicht mehr auskommt, reicht dieses Wort meist nicht - es muss dann schon gleich der Egozentriker oder Narzisst sein...).

Und Egoisten mag keiner.

Aber versuchen wir doch mal objektiv zu sein. Was ist aus diesen Situationen entstanden? Fühltest Du Dich vielleicht eigentlich viel zu müde etwas zu tun, dachtest aber "Naja, ihr zuliebe mache ich das noch" ?

Oder eine andere Variante - fühltest Du Dich eigentlich nicht danach, aber Dein eigener Kopf redete Dir ein, wieviel Spaß Du das letzte Mal hattest, hielt daran fest und wollte es einfach krampfhaft wieder herbei führen?

 

Und dann stell Dir die Frage: Wie ist die Sache gelaufen? Bekamst Du das was Du geplant, Dir erdacht hattest? Oder hinterließ es einen schalen Nachgeschmack und war eher "so ganz okay", oder vielleicht sogar schlimm? Hast Du die Entscheidung getroffen, weil Du dachtest, andere erwarten das von Dir und hast Dich im Nachinhein über Dich selbst geärgert? Fühltest Du Dich gut und Energiegeladen danach/damit?

 

Wir antizipieren viel zu oft, wie es wohl sein und kommen würde.

Mit Wissen hat das allerdings nichts zu tun! Selbst wenn wir die Zukunft komplett vorhersehen könnten, ginge es doch immer darum, für das Jetzt offen zu sein und den Moment zu erfahren. Wenn Du nur in der Vorausschau oder Angst der vermeintlichen Zukunft lebst, ist das allerdings nicht möglich. Und wir maßten uns damit an Dinge zu wissen, die wir schlicht nicht wissen können. Denn unsere Annahmen beruhen auf vergangenen Erfahrungen.

 

Es erfordert Mut, auf Dich zu hören. Und ja - es wird Dir nicht immer mit Freude und Wohlwollen begegnet werden. Nicht weil Du etwas falsch machst!

Denn jeder würde eigentlich gerne mehr nach dem Handeln, wo er oder sie sich gut mit fühlt. Jeder möchte er selbst sein und nicht nur trotzdem, sondern gerade deswegen geliebt und geschätzt werden! Nur trauen sich das die Wenigsten. Letztendlich aus der Angst heraus, alleine da zu stehen. Und wenn DU dann nach Deiner Wahrheit handelst, triggert das unter anderem Neid und Eifersucht in Deinem Gegenüber. 

 

Nun gilt es, sich für Deine innere Wahrheit zu öffnen. Versuche einfach mal, in ganz banalen Entscheidungen darauf zu hören. Um zum vorigen Beispiel zurück zu kommen: Wenn Du Dich mit jemandem triffst und es sich irgendwie verquer anfühlt, unpassend - frag Dich "Möchte ich weiter bei dieser Person bleiben? Möchte ich meine Zeit mit ihr verbringen? Wie fühle ich mich damit? Warum bleibe ich jetzt hier? Ihr zu Liebe oder weil ich denke, dass es mir noch etwas geben wird?"

Und dann versuche, danach zu handeln. Nicht auf eine bockige oder rabiate Art und Weise, sondern mit  Mitgefühl für Dich UND den anderen. Dann schau, was aus der Situation entsteht, sich ergibt. Und wie Du Dich danach fühlst. Wie fühlt es sich an, wenn Du Dir zugestehst DIR zu folgen? Was macht das mit Dir? UND - was macht es mit dem anderen? Hat es wirklich die möglicherweise befürchteten Auswirkungen auf ihn, oder bringt es Eure Beziehung oder ihn vielleicht sogar weiter? (Wir sind alle miteinander verbunden und DU bist, genauso wie Du bist und DA bist wichtig für die Welt. Die EINE Wahrheit gibt es nicht. Und niemand wird Dir je sagen können, was richtig und was falsch ist.)

Selbst, wenn Du in diesem Moment nicht nach Deinem Gefühl handeln kannst, weil die gewohnten Verhaltensweisen und Denkmuster zu stark sind - sei gnädig mit Dir und versuche einfach zu sehen, DASS es gerade so ist, dass Du nicht kannst. Und lass es in Ordnung sein. Dann klappt es eben das nächste Mal. Oder das übernächste.

 

Egoismus

 

Es gibt einen Unterschied zwischen, ich nenne es mal, wahrheitsbasiertem und egobasiertem Verhalten.

Egobasiertes Verhalten beruht auf erlernten Mustern und Denkstrukturen, Erfahrungen, die wir gemacht haben, für die wir auf gewisse Art und Weise belohnt oder bestraft wurden. Und dieses Verhalten ist mit Angst assoziiert.

Wenn ich etwas nicht bekomme, was ich haben will, fühlt es sich dann krampfig an. Und wenn man hinschaut, ist man während dieses Gefühls nicht unbedingt gerade sehr erwachsen... Es fühlt sich jünger an. Wie ein Kind. Vielleicht wütend, vielleicht bockig, vielleicht traurig oder panisch - was alles immer auch Angst zur Grundlage hat. Angst, dass dann etwas passiert oder nicht passiert. Dass man sich schlecht fühlt oder einem etwas genommen wird, weil wir in einer vergangenen Situation erlebt haben, dass genau das eingetroffen ist.

Aber wie gesagt - wir können nicht wissen, was die Zukunft bringt. Ob es nicht velleicht im Endeffekt besser ist, dass wir DAS EINE JETZT GERADE nicht bekommen.

Und sieh auch: wir werden höchstwahrscheinlich nicht daran sterben, es jetzt nicht zubekommen oder diese Gefühle auszuhalten!

 

Hinterfrage Dich, ob Du in Deinem Handeln im Moment nur Deinen "Kopf durchsetzen" willst, weil Du Angst vor etwas hast, an etwas festhalten willst, oder ob sich Dein Wunsch aus einem inneren/tiefen Bedürfnis heraus zeigt. Wenn das der Fall ist, dann geh dafür! Wenn nicht, kannst Du vielleicht auch darauf verzichten und Dich dem hingeben, was geschieht.

Vertrauen haben. Wenn Du auch in mancherlei Hinsicht keine Wahl hast - Du hast immer die Wahl, wie Du der Sache begegnest! Und was Du für Konsequenzen für Dich daraus ziehst.

 

Vergiss nicht: Du MUSST GAR NICHTS und es schadet nicht, sich immer zwischendurch mal die Frage zu stellen: "Wenn ich bald sterben würde, wäre ich dann zufrieden mit dem, was ich gerade tue/wie ich es tue, oder würde ich es rückblickend anders machen?" Das mag sich theatralisch oder übertrieben anhören, aber letztendlich ist das eine Tatsache, mit der wir uns früher oder später alle konfrontiert sehen werden. Ganz realistisch.

 

Wenn wir lernen, integer aus uns selbst heraus zu handeln, nicht einem Egotrip nachzugehen, sondern unserer eigenen, tiefen Wahrheit zu folgen (nicht einem kopflosen Impuls), können wir das mit Herz und Mitgefühl tun und sind niemals egoistisch. Dann wissen wir, dass wir unser Bestes gegeben haben und können erhobenen Hauptes in den Spiegel schauen. Weil wir wissen, dass wir UNS SELBST GEFOLGT sind und niemand anderem oder irgendwelchen, aus Angst motiverten, vergangenen Erfahrungen heraus. Das ist Entwicklung.

Es richtet auf und gibt uns Kraft!

Kraft, immer mehr und schöner wir selbst sein zu können - und Neues in die Welt bringen.

 

Denn das Alte gab es ja schon :) !